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Aktuell
Widerstand gegen den Mauerbau in Nil'in
Aktuell, The Palestinian Anti-Apartheid Wall Campaign, May 31, 2008

In den vergangenen Wochen war das palästinensische Dorf Nil'in einer der Brennpunkte des Widerstands gegen die Landraubpolitik der israelischen Besatzung. Dort wo heute Bulldozer den Bau des neuesten Abschnittes der Apartheidmauer vorbereiten, kam es immer wieder zu Protesten der DorfbewohnerInnen und zu Zusammenstößen mit den Besatzungssoldaten. Nil'in droht durch den Bau der Apartheidmauer 250 ha Land zu verlieren.

Oben: Tränengaswolken über den Olivenhainen Nil'ins. Auch die PalästinenserInnen in Nil'in widersetzen sich aktiv der Annexionspolitik der Besatzungsmacht. Neben den DorfbewohnerInnen waren sowohl Menschen aus den Nachbardörfern als auch internationale MenschenrechtsaktivistInnen dem Aufruf des Dorfkomitees zu Protestveranstaltungen gegen den Bau der Apartheidmauer gefolgt. Durch wöchentliche Freitagsdemonstrationen und andere Aktionen gelang es bereits, die Bauarbeiten zu bremsen und dem Widerstand gegen die Mauer Öffentlichkeit zu verschaffen.
Die Besatzungsmacht geht mit Gewalt gegen die Proteste vor. Dutzende Personen wurden verletzt, viele von Soldaten verhaftet. Olivenbäume wurden mit Bulldozern zerstört, andere fielen den Bränden zum Opfer, welche die glühend heißen Tränengasgranaten, die von der Armee gegen die DemonstrantInnen eingesetzt werden, ausgelöst hatten.

Die Gewalt fand ihren traurigen Höhepunkt mit dem Überfall der Besatzungstruppen auf Nil'in. Am Morgen des 30. Mai, als wiederum eine Freitagsdemonstration stattfinden sollte, fielen über 50 Armeefahrzeuge über das Dorfzentrum her. Ganz Nil'in wurde unter Ausgangssperre gestellt. Soldaten schossen mit gummiummantelten Stahlgeschossen um sich, zwangen die Ladenbesitzer, ihre Geschäfte zu schließen und auch alle anderen DorfbewohnerInnen in ihren Häusern zu bleiben. Wem es dennoch gelang, die Protestdemonstration gegen die Mauer zu erreichen, die sich indess zu den bedrohten Grundstücke aufgemacht hatte, wurde ebenfalls von Soldaten angegriffen.

Oben: Die Felder Nil'ins brennen, angesteckt von glühend heißen Tränengasgranaten der Armee. Den Besatzern ist es trotz der Brutalität ihres Vorgehens nicht gelungen, die Entschlossenheit Nil'ins zu brechen. Auch die Solidarität aus den Nachbardörfern wie al-Midya, die sich in der aktiven Teilnahme an den Protesten ausdrückt, wächst unaufhörlich. Am vergangenen Dienstag schlossen überall rund um Nil'in Ladeninhaber ihre Geschäfte, um an den Protestinitiativen teil zu nehmen.
Das palästinensische Dorf Nil'in liegt westlich von Ramallah, nahe der Grünen Linie, der Waffenstillstandslinie von1949, welche das Westjordanland von den 1948 besetzen Gebieten des historischen Palästina trennt. Der Landbesitz der Dorfbewohner reichte 1948 noch bis zu den Städten Ramle und Lod und umfasste 5800 ha. Nach der Nakba wurden 4000 ha davon annektiert. Seit dem Beginn der Besatzung 1967 wurden auf dem verbliebenen Land Nil'ins die zionistischen Kolonien Kiryat Sefer, Mattityahu und Maccabim gebaut. Außerdem wurden Siedlerstraßen für die expandierenden zionistischen Siedlungen Nili und Na'ale errichtet. Insgesamt verlor das Dorf bis heute 800 ha Land an die Infrastruktur für zionistische Siedler.

Nach all diesen Zwangskonfiszierungen verblieben Nil'in lediglich 1000 ha seines ursprünglich 5800 ha großen Gebietes. Durch den Bau der Apartheidmauer westlich des Dorfes und eines Militärstützpunktes im Süden sollen Nil'in nun weitere 235 ha seines Landes genommen werden.

Die jüngsten Konfizierungen stehen im größeren Kontext der Zersplitterungs- und Ghettoisierungspolitik, die die Besatzungsmacht im Westjordanland vorantreibt. Nil'in wird durch die Mauer und Siedlerstraßen nämlich auch vom übrigen Westjordanland abgetrennt. Das Dorf kann in Zukunft nur mehr durch einen Tunnel unter dem Siedlerhighway verlassen werden. Dieses Bauvorhaben wird nicht nur weitere 20 ha Land verschlingen, sondern auch der Besatzungsarmee volle Kontrolle über jegliche Bewegung im Ghetto Nil'in verschaffen.

Oben: Nil'in, nordwestlich von Ramallah gelegen, gehört zu jenen palästinensischen Dörfern (rot), die durch die Apartheidmauer und die Siedlerstraßen nicht nur von ihrem Ackerland, sondern auch vom restlichen Westjordanland abgeschnitten werden.



Oben: Auch das gemeinsame Gebet auf den durch den Mauerbau bedrohten Grundstücken ist Teil der Proteste. Es symbolisiert die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Land und soll Kraft geben zu widerstehen.




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