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Aktuell
Weltkulturerbe von der Zerstörung bedroht – Hintergründe der jüngsten Proteste rund um die Al Aqsa-Moschee
Aktuell, The Palestinian Anti-Apartheid Wall Campaign, Feb 16, 2007

Die israelische Besatzungsmacht riegelte am 4. Februar alle Zugänge zur Altstadt Jerusalems hermetisch ab. Keinem einzigen Palästinenser unter 45 wurde der Zutritt gewährt. Diese Maßnahme läutete einen Einsatz der Bulldozer ein, der die Fundstätten antiker Mamelukenpaläste und einer historischen muslimischen Anlage zerstören sollte. Letztere liegt in unmittelbarer Nähe des Bab Al-Maghrebi, dem marokkanischen Tor, das zwei der drei wichtigsten Orte für MuslimInnen verbindet, nämlich den Felsendom und die Al Aqsa-Moschee mit dem Haet al Buraq, die heute unter dem Namen Klagemauer bekannt ist. Diese Orte sind jedoch nicht nur für Musliminnen und Muslime von großer Bedeutung, sondern stellen vielmehr auch einen Teil des Weltkulturerbes dar.

Oben: Weltkulturerbe und heilige Stätten in Jerusalem sind bedroht


Aus ganz Palästina hatten sich tags zuvor Menschen bei der Al Aqsa-Moschee versammelt, um den drohenden Zerstörungen Einhalt zu gebieten. Teilnehmer der Proteste berichten, die Besatzungsmacht habe bereits um 7:30 morgens mit den Abbrucharbeiten begonnen. Zuvor hatte ein Gerichtentscheid anstatt der Wiederherstellung der historischen Brücke zum Maghrebi Tor, eine Verbreiterung der Straße zum Haram al Sharif (Hügel, auf dem sich der Felsendom und die Al Aqsa Moschee befinden) durch die Besatzungsmacht genehmigt.

Bei den historischen Funden, die unter dem Maghrebi Tor liegen, und die durch diese Bauarbeiten endgültig vernichtet werden, handelt es sich um die einzigen Reste der Mamlukenzeit, die südwestlich der Moschee gefunden wurden. Sie liegen in dem schon zuvor zerstörten marokkanischen Viertel, das nach der Besatzung der palästinensischen Hauptstadt im Jahr 1967 einfach in „jüdischer Stadteil“ umbenannt wurde. Doch mit den nun begonnenen Bauarbeiten gehen nicht nur die Zeugnisse dieses einzigartigen kulturellen Erbes verloren. Vielmehr wird dadurch ein Zugang zu einem Tunnelsystem geöffnet, dass direkt unter die Al Aqsa-Moschee führt. In Palästina werden seit Jahren mit Argusaugen die wiederholten Versuche der Besatzungsmacht verfolgt, die Fundamente der Moschee auszuhöhlen.

Die Besatzungsmacht verhängte, um die ungestörten Durchführung ihres Unternehmens zu garantieren, kurzerhand eine totale Ausgangssperre über die Altstadt Jerusalems; Polizei und Spezialeinheiten errichteten Checkpoints und untersagten Privatpersonen als auch Medienvertretern jeglichen Zutritt. Palästinensische und muslimische Würdenträger verurteilten einhellig diesen jüngsten Angriff auf das kulturelle Erbe Palästinas und wichtiger muslimischer Stätten. Die unilaterale Entscheidung für dieses Bauvorhaben kann nur als Provokation gewertet werden, der vor dem Hintergrund anhaltender Vertreibung der palästinensischen BewohnerInnen Jerusalems und der Zerstörung des kulturellen Erbes anderer Religionen und Kulturen, einen Schlag ins Gesicht der PalästinenserInnen, aber auch der gesamten arabischen und der muslimischen Welt darstellt.

Wegen des heftigen Regens mussten die Bulldozer schließlich die Arbeit einstellen. Doch die Besatzungsmacht hat angekündigt, ihren Plan so bald wie möglich umsetzen zu wollen.

Außerdem laufen mitten in der Altstadt Jerusalems die Vorbereitungen für den Bau einer Synagoge, die über den historischen Stätten thronen soll. Sie wird mitten ins antike palästinensische Stadtviertel Ras al Amoud gepflanzt, wo auch eine jüdische Siedlung, die auf zwangsenteignetem palästinensischen Grundstücken errichtet wurde, weiter expandieren soll.




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