Arab Ramadin: Dem Dorf hinter der Mauer droht nun die vollständige Zerstörung
Aktuell, The Palestinian Anti-Apartheid Wall Campaign, Jun 19, 2008
Dem palästinensischen Dorf Arab ar-Ramadin und all seinen BewohnerInnen droht die Zwangsumsiedlung durch die israelische Besatzungsmacht. Seit der Errichtung der Apartheidmauer im Jahr 2004, die das Dorf hermetisch vom übrigen Westjordanland abschnürt, führt das Besatzungsregime einen stillen Belagerungskrieg gegen Arab ar-Ramadin. Seit Jahren kämpfen seine BewohnerInnen um ihr Dorf.
 |
| Oben: Das Dorf Arab ar-Ramadin kämpft ums Überleben. |
Am 5. Juni setzte ein Offizier der Besatzungsarmee begleitet von 20 Soldaten den Ortsvorsteher über Pläne in Kenntnis, das gesamte Dorf auf die andere Seite der Mauer umzusiedeln. Sollten sich die DorfbewohnerInnen nicht kooperieren, würde Gewalt eingesetzt werden, so der Besatzungsoffizier.
207 Personen sind von der drohenden Zwangsumsiedlung betroffen. 30 Wohnhäuser sowie Viehunterstände sollen zerstört werden. Auch den 1500 Schafen, die wichtigste Einkommensquelle der DorfbewohnerInnen, droht eine ungewisse Zukunft. Bereits seit 2004 hat die Besatzungsbürokratie immer wieder Abrissverfügungen für Gebäude in Arab ar-Ramadin ausgestellt. Zuletzt wurden im März 2008 die Unterkünfte von 10 Personen mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht.
Seit die Aparhteidmauer errichtet wurde, gleicht der Alltag in Arab ar-Ramadin einem Kampf ums Überleben. Das Dorf liegt gemeinsam mit Ras Tireh, Wadi Rasha und Daba in einer durch die Apartheidmauer und die Besatzungssiedlung Alfe Menashe geschaffenen winzigen Enklave, die völlig vom übrigen besetzten Westjordanland abgeschnitten ist. An den wenigen Übergängen an der Mauer, die den einzigen Zugang zur Außenwelt darstellen, werden die PalästinenserInnen immer wieder von Besatzungssoldaten bedrängt und erniedrigt, oft wird ihnen der Durchgang überhaupt verwehrt. Außerdem wurde ihnen verboten, Viehfutter über die Durchgänge mitzuführen, indem die Durchfahrt von Kraftfahrzeugen generell untersagt wurde. Des weiteren ist nur jenen der Zugang zur Enklave gestattet, die über eine spezielle Genehmigung der Besatzungsmacht verfügen.
In Arab ar-Ramadin gibt es keine Schule. Im Jahr 2003 besuchten noch 46 SchülerInnen die Grundschule in Habla, 6 GymnasiastInnen und 2 StudentInnen pendelten täglich in die nahe gelegene Kreisstadt Qalqiliya. Die Schule in Habla war vor dem Mauerbau mit einem 2,5 Kilometer langen Fußmarsch zu erreichen, den die Kinder zweimal täglich zu bewältigen hatten. Heute müssen die SchülerInnen einen langen Umweg in Kauf nehmen, der den Schulweg auf 5 Kilometer verlängert. Zusätzlich sind sie gezwungen darauf zu warten, dass Besatzungssoldaten das Tor an der Mauer öffnen.
Für den Mauerbau wurden mehr als 233 ha Land von Arab ar-Ramadin konfisziert. Auf einem Teil dieser Grundstücke lagen die Weizenfelder des Dorfes (83,9 ha), ein anderer wurde als Weidefläche für die Schafe genutzt.
Die Lage in Arab ar-Ramadin ist typisch für das Vorgehen der Besatzungsmacht und ihre Politik der schleichenden ethnischen Säuberung in Palästina. Gleichzeitig wachsen die Mauer, die Besatzungssiedlungen und ein Straßennetz, das nur die Siedler benützen dürfen, ständig weiter. Checkpoints und eine Vielzahl an Militärverordnungen und Restriktionen zielen darauf ab, die palästinensischen Dörfer und Städte einem permanenten unerträglichen Druck auszusetzen. Dörfer wie Arab ar-Ramadin, die von der Mauer und den Besatzungssiedlungen umzingelt sind, sind der größten Bedrohung ausgesetzt. Heute sind insgesamt 14 Ortschaften in der besetzten Westbank von der Zwangsumsiedlung bedroht. Ihre 6314 EinwohnerInnen leben unter dem Damoklesschwert der Zerstörung ihrer Wohnhäuser und der gewaltsamen Vertreibung von ihrem Land.
 |
| Oben: Arab ar-Ramadin liegt in einer durch die Mauer (blau) 2004 geschaffenen Enklave. Für die Besatzungssiedlungen (hellblau), wie Alfe Menashe, wurden weite Gebiete palästinensischen Landes enteignet. |
mehr zum Thema
Mehr zum Stichwort Arab Ramadin auf dieser Webseite.
NEU AUF stopthewall.org
Nil'in: Der Kampf um unsere Rechte und gegen die Apartheidmauer (Jul 3, 2008)
Jayyous an Dubai: Boykottiert Leviev – Rettet unser Land und unsere Zukunft! (Jun 30, 2008)
Arab Ramadin: Dem Dorf hinter der Mauer droht nun die vollständige Zerstörung (Jun 19, 2008)
Israelische Besatzungstruppen prügeln MauergegnerInnen in Nil'in krankenhausreif (Jun 3, 2008)
Widerstand gegen den Mauerbau in Nil'in (May 31, 2008)
Israelische Abrissbescheide in Al-Khader bedrohen die Wasserversorgung des Dorfes (May 23, 2008)
Investitionskonferenz in Bethlehem: Entwicklungsperspektive oder Schulterschluss mit der Besatzungsmacht? (May 20, 2008)
60 Jahre Vertreibung: Größte Demonstrationen in Palästina seit Beginn der zweiten Intifada (May 15, 2008)
Sechzig Jahre Enteignung und ethnische Säuberung in Palästina – Boykottiert die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung Israels (Mar 30, 2008)
Jaffa: Protest gegen die Zerstörung von 500 palästinensischen Wohnungen (Mar 30, 2008)
|
 |
|