TODESOPFER - Tödliche Checkpoints: Mu'afiq Rahimi verblutet nach Arbeitsunfall
Aktuell, The Palestinian Anti-Apartheid Wall Campaign, Mar 3, 2007
Die israelische Besatzung Palästinas hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Wieder einmal wurde ein Krankenwagen von Besatzungssoldaten an einer der zahllosen Straßensperren (Checkpoints) im besetzten Westjordanland festgehalten, obwohl sich ein Schwerverletzter an Bord befand. Der Zustand Mu’afiq Younis Abed Rahimi war bereits überaus kritisch, als ihn der Notarztwagen, der ihn nach Ramallah zum nächsten Krankenhaus transportieren sollte, am Checkpoint Atara, nördlich der Stadt, gestoppt wurde. Die Besatzungssoldaten weigerten sich, ihn passieren zu lassen. Mu’afiq Rahimi verblutete hilflos im Krankenwagen.
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| Oben: Die Besatzungssoldaten halten auch Krankenwagen stundenlang an den Checkpoints fest. Oft kommt für die Verletzten jede Hilfe zu spät. |
Der 35 jährige Vater von fünf Kindern aus Beit Rima hatte auf der Baustelle seines Hauses einen Arbeitsunfall erlitten. Nach einem Sturz vom Gerüst war er bewusstlos liegengeblieben. Da der Verdacht auf eine Blutung im Gehirn bestand, war sofort ein Notarztwagen zur Stelle, um ihn nach Ramallah ins Krankenhaus zu bringen.
Als der Nottransport kurz vor seinem Ziel am Checkpoint Atara ankam, stieß er dort auf den üblichen Verkehrsstau. Täglich werden palästinensische AutofahrerInnen durch die Besatzungstruppen gezwungen, an dieser Straßensperre stundenlang auf die Einfahrt nach Ramallah zu warten. Das Notarztteam überholte die endlose Wagenkolonne in zweiter Spur, in einem verzweifelten Versuch den Schwerverletzten Mu’afiq Rahimi rechtzeitig in den Operationssaal zu bringen und näherten sich dem Checkpoint.
Doch die israelischen Soldaten schrieen den Fahrer an, er solle sofort in die Wagenkolonne zurückkehren. Sie gaben klar und deutlich zu verstehen, dass jeder weitere Versuch, Wagen im Stau zu überholen, von ihnen bestraft werden würde – obwohl es um ein Menschenleben ging!
Als der Krankenwagen endlich an der Reihe war, prüften die Besatzungssoldaten in aller Ruhe jedes Detail seiner Innenausstattung, obwohl Mu’afiq Rahimis dort auf der Bahre lag und aus seinem Mund und seiner Nase unablässig Blut floss, dass sich langsam immer weiter über den Boden des Wagens ausbreitete. Träge überprüften die Soldaten die Personalausweise der Besatzung und die gesamte Ausrüstung des Nottransporters. Wie ein Augenzeuge berichtet, wurde sogar der schwerverletzte Mu’afiq Rahimi selbst von den Soldaten angehoben, gestoßen und genauestens abgetastet. Allein durch diese Prozedur ging mehr als eine Viertelstunde Zeit verloren.
Als der Krankenwagen endlich die Straßensperre passieren durfte, war es zu spät. Im Krankenhaus von Ramallah konnte nur noch der Tod von Mu’afiq Rahimi festgestellt werden.
Tag für Tag sind PalästinenserInnen gezwungen, diesen Horror der Checkpoints zu durchleben. Die trägen und erniedrigenden Riten der Besatzungssoldaten wiederholen sich regelmäßig an über 500 permanenten Straßensperren im winzigen Landstrich des Westjordanlandes. Die Checkpoints dienen dazu, den Verkehr und die Bewegungsfreiheit soweit wie möglich zu erschweren. Als Gefangene im eigenen Land sind PalästinenserInnen heute in winzigen Enklaven eingeschlossen, die durch die Apartheidmauer, die Siedlerhighways und andere Apartheidinfrastruktur eingekreist sind. Die Checkpoints bedeuten tägliche Erniedrigung, Unterdrückung, Misshandlung und stundenlange Wartezeiten auch auf kurzen Wegstrecken.
Und viel zu oft kosten die Checkpoints Menschenleben – wie auch jetzt im Fall von Mu’afiq Rahimi.
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| Oben: Bei mehr als 500 Checkpoints im besetzten Westjordanland spielt sich tagtäglich dasselbe erniedrigende Warteritual ab. |
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