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Stimmen aus Palästina
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Arab Ramadin – Süd-Hebron: Konfrontation mit dem Pfad der Apartheid
Stimmen aus Palästina, Kampagne gegen die Apartheidmauer, May 17, 2005

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Sheikh Nawaf Sarhan, Schuldirektor in der palästinenischen Gemeinde Arab Ramadin, im äußersten Süden des Westjordanlandes, spricht ganz offen über die verheerenden Auswirkungen des israelischen Mauerprojektes auf sein Dorf. In Arab Ramadin, im Süden des Bezirkes Hebron leben derzeit 3200 Einwohner. Ihnen allen ist klar, dass die Apartheidmauer der Besatzungsmacht auf nichts anderes als die Zerstörung ihres Leben und ihrer Zukunft abzielt. Das wahre Ausmaß der Verwüstung zeichnet sich erst jetzt mit dem Bekannt werden des endgültigen Streckenverlaufs der Mauer ab.

Arab Ramadin blickt auf eine lange und leidvolle Geschichte der Landenteignungen zurück. Im Jahre 1948 wurden [im Zuge der militärischen Eroberung Palästinas durch zionistische Milizen, d.Ü.] dem Dorf bereits 25000 dunum [2500 Hektar] Land geraubt [dieser Teil des Dorflandes liegt heute innerhalb der Grenzen Israels, d.Ü.]. Durch den Bau der Apartheidmauer zielt die Besatzungsmacht nun erneut darauf ab, diese Dorfgemeinde auseinander zu reißen und ihr Land zu annektieren.
Die von der Besatzungsmacht bis heute ausgestellten Beschlagnahmungsverordnungen lassen die Menschen noch immer im Unklaren über den endgültigen Verlauf der Mauer in Arab Ramadin. Bislang ist sicher, dass mindestens 2339 dunum Land südlich des Dorfes der Mauer zum Opfer fallen werden. Hierbei handelt es sich zum Teil um Ackerboden, auf dem Getreide angebaut wird (839 Dunum), sowie um Weideland (1500 Dunum), das für die Herden des Dorfes genutzt wird und somit eine der wichtigsten Lebensgrundlagen des Dorfes darstellt.

Bereits zweimal sei der geplante Mauerverlauf abgeändert worden, erklärt Sheikh Nawaf Sarhan, „nach der jüngsten Version von vor zwei Wochen wird die Mauer zusätzlich noch etwa 1000 Dunum des Gemeindegebietes von Arab Ramadin verschlingen. Wir wissen allerdings nicht, ob es dabei bleiben wird und ob das der endgültige Bauplan ist." Während der letzten Wochen haben die Besatzungstruppen und ihre Landvermesser intensiv im Gebiet gearbeitet. Die Dorfbewohner durchleben unter dem Damoklesschwert der Apartheidmauer eine Phase extremer Unsicherheit und fürchten den Tag an dem der endgültige Verlauf feststehen wird.

Dem jüngsten Bauplan zufolge wird die Mauer 16 Familien hinter der Mauer komplett vom Dorf abschneiden. Dabei geht es um mehr als 150 Menschen. Diese 16 Familien wissen nur zu gut, dass ihnen Vertreibung oder Gefängnis bevorstehen, denn sie gehören zu jenen 560 DorfbewohnerInnen, die nicht aus Arab Ramadin stammen, sondern als Flüchtlinge ins Dorf gekommen sind [vertrieben in den verschiedenen Phasen der zionistischen Expansion, 1948 und 1967, d.Ü.]. Für sie bedeutet die Mauer die Zerstörung ihres Lebens.

Die Mauer wird, ganz gleich, wo sie letztendlich gebaut wird, verheerende Auswirkungen auf die Dorfgemeinde haben, führt Sheikh Nawaf Sarhan weiter aus. Sie wird die Arbeit in der Landwirtschaft lahm legen, aber auch den Zugang zu Arbeitsplätzen innerhalb der Grünen Linie [Staatsgebiet Israels; Teil Palästinas, der 1948 besetzt und erobert wurde, d.Ü.] blockieren, wo die Palästinenser als ungeschützte Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Doch von diesen Jobs sind sie abhängig, um über die Runden zu kommen.

"Jede Mauer südlich des Dorfes wird zwischen den Dorfbewohnern und ihren Arbeitsplätzen innerhalb der Grünen Linie stehen. Und dies betrifft nicht nur die Arbeiter aus Arab Ramadin, sondern auch Palästinenser, die aus anderen Regionen des besetzten Westjordanlandes kommen und über Arab Ramadin zu ihren Arbeitsplätzen anreisen. Von den verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen werden Tausende palästinensische Arbeiter aus Arab Ramadin und den umliegenden Dörfern betroffen sein."

Sheikh Nawaf erläutert, dass die Arbeiter auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen innerhalb der Grünen Linie ständig von den Besatzungstruppen unter Druck gesetzt werden. Viele Familien haben beschlossen, jeweils nur ein Familienmitglied zum Arbeiten in das 1948 besetzte Gebiet Palästinas zu senden, um zu vermeiden, gleich mehrere Familienmitglieder an die Gefängnisse der Besatzungsmacht zu verlieren. Oftmals verlässt ein Mitglied die Familie für sechs Monate, um zu arbeiten und nach seiner Rückkehr geht dann wiederum ein anderer für sechs Monate weg.
"In unserem Dorf haben die Besatzungstruppen etwa 100 von 500 Arbeitern, die darum angesucht hatten, eine spezielle Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis ausgestellt, die zwischen drei und sechs Monate gültig ist. Nach den Vorstellungen der Besatzungsmacht sollen die palästinensischen Arbeiter für diesen befristeten Zeitraum in den 48er Gebieten arbeiten, doch es ist ihnen während dieser Zeit nicht gestattet, ins Dorf zur Familie zurück zu kehren. Jedem Arbeiter, der vor Ablauf seiner Genehmigung versucht, seine Familie zu besuchen und dabei erwischt wird, verwehrt die israelische Armee die Rückkehr nach Hause ins Westjordanland. Der Arbeiter muss so lange auf der anderen Seite der Grünen Linie ausharren, bis die Arbeitsgenehmigung abgelaufen ist. Viele der palästinensischen Arbeiter haben aber Schwierigkeiten, Arbeit für den gesamten Zeitraum zu finden und sitzen ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Wohnung fest."

"Die Bewohner des Dorfes haben zwei Haupteinkommensquellen: Die Lohnarbeit mit oder ohne Arbeitsgenehmigung im 48er Gebiet [Staatsgebiet Israels, 80% des historischen Palästinas, d.Ü.], und die Viehzucht." Doch die Besatzungsmacht beschlagnahmt seit 1948 Schritt für Schritt immer mehr palästinensisches Land und das hat die Dorfbewohner in eine wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit geführt. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass durch die Einmauerung und Gettoisierung palästinensischer Dörfer ein Weg der Apartheid geebnet wird, der geradewegs auf die Vertreibung des palästinensischen Volkes von seinem Land zusteuert.
Der Schuldirektor Sheikh Nawaf erläutert, dass die Apartheidmauer die gesamte Sozialstruktur der Gemeinde erschüttern wird: "Ein Teil der Schüler wird nicht mehr bis zur Schulen durchkommen können. Zudem haben wir bereits jetzt große Probleme mit der Gesundheitsversorgung. Wir können die Spitäler nicht mehr erreichen. Diese Situation wird sich durch die Mauer noch erheblich verschlechtern. Stellen sie sich vor, was das für gesundheitliche Notfälle bedeutet. Nur dreimal pro Woche kommt ein Arzt in unser Dorf."

Die gesamt Gemeinde von Arab Ramadin ist nicht ans Wassernetz angeschlossen und deckt ihren Wasserbedarf aus Brunnen, die sich mitten im für den Mauerbau konfiszierten Gebiet befinden. "Wir können nur abwarten welcher Mauerverlauf unserem Land aufgezwungen wird", erklärt Nawaf, "doch wie auch immer ihr endgültiger Verlauf sein wird: die Mauer schadet unserem Dorf und bringt nur weitere Verwüstung."

Oben: Der Pfad der Zerstörung Entwurzelte Bäume in Süden des Bezirkes Hebron.


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