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Sechzig Jahre Enteignung und ethnische Säuberung in Palästina – Boykottiert die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung Israels
Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft, BDS Committee, Mar 30, 2008

Mehr als 100 Komittees, Institutionen und Organisationen der palästinensischen Zivilgesellschaft rufen zu einem weltweiten Boykott der Jubiläumsfeiern zum 60. Jahrestag der Gründung Israels auf. Der vom palästinensischen BDS Komitee und PACBI initiierte Appell wird von weiten Teilen der Zivilgesellschaft sowohl im historischen Palästina als auch in der palästinensischen Diaspora getragen.


***Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft an die Weltöffentlichkeit***
Sechzig Jahre Enteignung und ethnische Säuberung in Palästina
Boykottiert die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung Israels


Wie könnt ihr nur feiern? Die Gründung des Staates Israels vor nunmehr 60 Jahren war nichts anderes als Siedlerkolonialismus, durch den systematisch und gewaltsam mehr als 750.000 PalästinenserInnen aus ihrem Zuhause und von ihrem Land vertrieben wurden. Heute vor 60 Jahren plünderten zionistische Milizen und kriminelle Banden palästinensische Wohnhäuser und löschten mehr als 400 Dörfer und Städte von der Landkarte. Wie ist es vor dem eigenen Gewissen zu verantworten, dass diese menschliche Katastrophe auch noch gefeiert wird?

Oben: Palästinensische Vertriebene sind bis heute die weltweit größte Flüchtlingspopulation.
Auch nach 60 Jahren weigert sich Israel hartnäckig, die vertriebenen PalästinenserInnen in ihre Heimat zurückkehren zu lassen, obwohl das Recht auf Rückkehr und Wiedergutmachung für das erlittene Unrecht auch immer wieder von der UNO bekräftigt wurde. Den Palästinenserinnen wird die Rückkehr verweigert, weil sie nicht jüdisch sind. [Anm.: Als Rechtfertigung für die Ablehnung jeglicher Diskussion über die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge wird von offizieller israelischer Seite ins Treffen geführt, dies würde den “jüdischen Charakter“ des Staates Israel gefährden. Likudvorsitzender Netanyahu „warnt“ vor der „demografischen Zeitbombe“, die die palästinensischen StaatsbürgerInnen Israels für den „jüdischen Staat“ darstellen würden.]

Israel hält nach wie vor palästinensisches Territorium und Staatsgebiet anderer arabischer Staaten militärisch besetzt und verletzt damit unzählige UN-Resolutionen. Israel setzt beharrlich und unverhohlen die Verletzung grundlegender Menschenrechte der PalästinenserInnen fort und bricht damit das Humanitäre Völkerrecht und Menschenrechtskonventionen. Die palästinensischen StaatsbürgerInnen Israels sind nach wie vor einem System institutionalisierter Diskriminierung unterworfen, das starke Ähnlichkeiten mit der Apartheid in Südafrika aufweist. Und Israel kommt damit davon, denn es genießt durch die bedingungslose und großzügige Unterstützung der USA und Europas auf wirtschaftlicher, diplomatischer, politischer und akademischer Ebene eine nie dagewesene Immunität.

Angesichts dieser vielschichtigen Formen der Unterdrückung, die heute die israelische Wirklichkeit bestimmen, sehen wir jegliche Teilnahme jeder Art von Feierlichkeiten zur Gründung Israels als stillschweigende Zustimmung zur andauernden Enteignung und Entwurzelung der palästinensischen Flüchtlinge, zur fortgesetzten Militärbesatzung sowie zur Verschärfung des israelischen
Apartheidregimes. Die Einladung Israels als “Ehrengast” zu den Buchmessen von Turin und Paris, um nur zwei Beispiele zu nennen, stellt nicht nur einen vorsätzlichen Verrat an grundlegenden Menschenrechtsprinzipien dar, wie sie auch im Recht der Europäischen Union verankert sind, sondern auch einen bewussten Versuch, israelische Kriegsverbrechen gegen AraberInnen zu vertuschen, insbesondere jene, die in den Kriegen gegen den Libanon verübt wurden sowie mit dem schleichenden Genozid, der gegen eineinhalb Millionen PalästinenserInnen, die im Gazastreifen unter Kollektivbestrafung stehen, andauert. Kurz gesagt: Israels 60. Gründungstag zu feiern, kommt einem Freudentanz auf palästinensischen Gräbern gleich.

Oben: 750000 PalästinenserInnen wurden im Zuge der Gründung des Staates Israel von zionistischen Milizen vertrieben.
Wir rufen die Zivilgesellschaften überall auf der Welt in all ihren Komponenten, insbesondere Institutionen und Einzelpersonen im Bereich der Kunst, der Wissenschaft, des Sports, den Gewerkschaften und den religiösen Gemeinschaften dazu auf, jegliche Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung Israels zu boykottieren. Mit diesen Feiern wird auf unsere Geschichte gespuckt, werden unsere Rechte mit Füßen getreten und unsere Unterdrückung verschlimmert. Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und ein dauerhafter auf internationalem Recht basierender Friede rücken dadurch weiter in die Ferne als je zuvor.

30. März 2008

Dieser Aufruf wird von folgenden Komponenten der palästinensischen Zivilgesellschaft in Palästina und in der Diaspora getragen:

Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI)
Department of Refugee Affairs - PLO
Jerusalem-The Arab Cultural Capital Project, Jerusalem
Higher National Committee for the Defense of the Right to Return
The General Union of Palestinian Women
Palestinian General Federation of Trade Unions, PGFTU
Palestinian Farmers' Union
Popular Committee Against the Siege (PCAS), Gaza
Federation of Palestinian Refugee Camp Youth Centers
Higher National Committee for the Commemoration of the Nakba, Palestine
Refugee Affairs Department, Mobilization and Organization, Fatah Movement
Palestinian NGO Network (PNGO)
Ittijah-Union of the Arab Community Based Organizations, Haifa
Palestinian Lawyers' Syndicate
Palestinian Journalists' Association, Jerusalem
Palestinian Engineers' Syndicate, Jerusalem
Union of Palestinian Women's Committees, UPWC, Ramallah
Stop the Wall-the Grassroots Palestinian Anti-Apartheid Wall Campaign
Union of Employees at Private Schools-West Bank
Association of Residents of Depopulated Villages and Cities, Ramallah
General Federation of Cultural Centers, Gaza
Jerusalem Center for Social & Economic Rights JCSER, Jerusalem
Federation of Independent Workers Committees, Gaza
League of Palestinian Refugees in Europe
BADIL Resource Center for Palestinian Residency and Refugee Rights, Bethlehem
Occupied Palestine Golan heights Advocacy Initiative (OPGAI)
Al-Aswar Organization for Cultural and Social Development, Acre
University Teachers Association, Gaza
Joint Advocacy Initiative of the YMCA-YWCA (JAI), Jerusalem
General Union of Health Service Workers, Gaza
Aida Refugee Camp Social Center, Aida Refugee Camp
A'idoun Group, Syria
Palestinian Community in Scandinavia
Canadian Arab Federation
Palestinian Counseling Center, Jerusalem
Land Research Center, Palestine, Jerusalem
Muwatin the Palestinian Institute for the Study of Democracy
Palestinian Association of Brantford--Canada
Center for the Defense of Freedoms and Civil Rights (Hurriyat)
Wihdah Democratic Action Institute (Wa'ad)--Bethlehem
Federation of Agricultural Action Committees
Canada Palestine Association, Vancouver
Addameer, Ramallah
Ma'an Development Center, Ramallah
Gaza Center for Culture and Arts
Voice of Palestine, Canada
Canadian Palestinian Association, Ontario, Canada
Taghrid Association for Culture, Development and Reconstruction, Gaza
Jabalya-al-Nazaleh Cultural Center, Jabalya Camp, Gaza
Federation of Agricultural Work Committees, Gaza
Turathuna Charitable Society, Gaza
The Popular Committee at al-Burayj Camp, Gaza
El-Funoun Palestinian Popular Dance Troupe, Al-Bireh
Adalah-NY: The Coalition for Justice in the Middle East, New York
General Union of Services and Trade Workers, Gaza Governorates
The National Council of Arab Americans - Metropolitan New York Chapter, NY
The Arab Muslim American Federation
The Palestinian American Congress, New York
Dramatists' Federation
Society for the Development of Women, al-Burayj Camp, Gaza
Yanbou' Cultural Forum, al-Reina
Palestinian Human Rights Monitor (Rassid), Gaza
Yabous Productions, Jerusalem
The Arab Student Observatory of Victims of Occupation and Blockade of the General Union of Arab Students (GUAS)
Arab Culture Society
Al-Siwar-Arab Feminist Movement to Support Victims of Sexual Assault, Haifa
Popular Art Centre, Al-Bireh
Federation of Working Women's Committees
Palestinian Federation of Women's Action Committees
Al-Najda Association for the Development of Palestinian Women
Teacher Creativity Center, Ramallah
Palestinian Association for Contemporary Art (PACA)
Al-Quds Information Bank, Gaza
Women's Center for Legal Aid and Counseling, Ramallah
The Palestinian Working Women's Society for Development
Jimzo Charitable Society
Al-Lidd (Lydda) Charitable Society, Ramallah-Al-Bireh Governorate
Al-Lidd (Lydda) Social Association, Beitunia
Lifta Charitable Society, Palestine
Committee of Residents of Greater Masmiyya, Ramallah-Al-Bireh Governorate
Falsteen Al Gaad association – Deheisha refugee camp
Meethaq Center for Development, Alkahder
Women Development Center, Addoha, Bethlehem
Al Feeneeq Center, Duheisheh Refugee Camp
Palestinian Progressive Youth Union, Gaza
Palestinian Women's Information and Media Center, Gaza
Said Mishal Foundation for Culture and Science, Gaza
Assala Association for Heritage and Development, Gaza
Jerusalem Center for Arabic Music, Jerusalem
International Academy of Art Palestine, Ramallah
Juthourr Cultural Society, Gaza
Women's Research and Legal Counseling Center, Gaza
Media Forum for Women Affairs Advocacy, Gaza
Palestinian Cultural Center, Gaza
Refugees Popular Committee, Gaza
Workers Resource Center, Gaza
Progressive Union Work Society, Gaza
Friends of An-Nour Center Society, Gaza
Al-Aqsa Charitable Youth Welfare Society, Gaza
The One Democratic State Group, Gaza
Arab Cultural Forum, Gaza
Palestinian Democratic Union-Fida


www.pacbi.org

Oben: Die Ausrufung des Staates Israel am 15. Mai 1948 erlebten hunderttausende palästinensische Vertriebene in behelfsmäßigen Lagern mit.



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