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Materialien für AktivistInnen
KULTURBOYKOTT – Palästinensische KünstlerInnen rufen zur Unterbrechung aller kulturellen Beziehungen mit dem Besatzungsregime auf!

NEUIGKEITEN ZUM BOYKOTT
*Israel bei Filmfestival von Locarno als Sponsor ausgeladen
*Ken Loach unterstützt Boykottaufruf palästinensischer FilmemacherInnen

Angesichts der immer weiter eskalierenden Verbrechen des Besatzungsregimes rufen palästinensische KünstlerInnen, FilmemacherInnen und Kulturschaffende dringend dazu auf, jegliche künstlerische Zusammenarbeit und alle kulturellen Verbindungen mit dem Apartheidregime Israel abzubrechen.

Dieser Aufruf zum Kulturboykott ist ein erster Schritt, um die stillschweigenden Unterstützung des Kultursektors für die Besatzungsmacht zu brechen. Bisher wurde nämlich sowohl auf institutioneller Ebene als auch von Seiten der Künstler und KünstlerInnen trotz des Vorgehens der Besatzungsmacht weitgehend “business as usual” betrieben. Dieser Appell richtet sich an alle, die mittels der internationalen Zusammenarbeit auf dem Kultursektor de facto der Politik des Apartheidregimes Israel internationale Legitimation verschafft haben.

Doch ihre Besatzungspolitik, ihr Rassismus und ihre Verbechen müssen auch auf dieser Ebene bekämpft werden. Der Boykott und die internationale Isolierung des Apartheidregimes Israel samt seiner Institutionen und ExponentInnen ist ein wichtiges Werkzeug, um dieses Ziel zu erreichen.

Aufruf der palästinensischen FilmemacherInnen, KünstlerInnen und Kulturschaffenden zum kulturellen Boykott Israels

1. August 2006

Sehr geehrte FilmemacherInnen und KünstlerInnen,

Seit mehreren Wochen sind wir erneut ZeugInnen einer Eskalation der israelischen Aggression, die heute das Ausmaß eines offenen Krieges gegen Palästina und den Libanon erreicht hat.

Seit Beginn der Invasion Israels in Gaza am 27. Juni 2006 wurden Ministerien, Schulen und Wohnhäuser bombardiert. Das wichtigste Kraftwerk, von dem etwa 50% der Stromversorgung Gazas abhängt, wurde in Schutt und Asche gelegt. Brücken, Straßen, dutzende von Häusern und hunderte Hektar landwirtschaftlichen Nutzlandes wurden zerstört. Vierundsechzig gewählte palästinensische Parlamentsabgeordnete, Minister und andere Vertreter des palästinensischen Volkes wurden grundlos und ohne Anklage festgenommen.

Am 12. Juli entfesselte Israel seine Kampagne militärischer Gewalt und kollektiver Bestrafung im Libanon und gab der Operation den Namen "Operation Just Reward” oder “angemessene Vergeltung“. Es handelt sich um einen Angriffskrieg via Land, Wasser und Luft, der die Zivilbevölkerung des Libanons und dessen Infrastruktur zur Zielscheibe hat. Dieser Krieg führte zur vollkommenen Zerstörung des Landes. In nur 3 Wochen wurden fast 1 Million LibanesInnen obdachlos und mehr als 900 LibanesInnen sowie 160 PalästinenserInnen wurden durch die israelische Armee getötet. Jedes Dritte der Opfer ist ein Kind, wie die Zahlen der UNO belegen.

Gleichzeitig hält Israel weiterhin den Gazastreifen, das Westjordanland (inklusive Ostjerusalem) und die syrischen Golanhöhen fest, was einen permanenten Völkerrechtsbruch darstellt.

Israel verletzt die Vierte Genfer Konvention indem es weiterhin 9.600 palästinensische politische Gefangen in seinen Gefängnissen und Anhaltelagern festhält und den Zugang zu ordentlichen Gerichtsverfahren weiterhin nicht gewährleistet. Unter den Gefangenen befinden sich 130 Frauen und 388 Kinder. Viele von ihnen wurden mitten in der Nacht aus ihren Häusern verschleppt.

Wir, die unterzeichnenden palästinensischen FilmemacherInnen und KünstlerInnen, appellieren an alle KünstlerInnen und FilmemacherInnen in aller Welt, jegliche kulturelle Veranstaltung in Israel abzusagen, egal ob es sich um Austellungen, Konzerte oder sonstiges handelt;

nicht länger schweigend zuzusehen, sondern aktiv zu werden und es so nicht länger zuzulassen, dass sich Israel trotz seiner militärischen Aggressionen in Selbstgefälligkeit ergehen kann.

Wir fordern alle Kunstschaffenden auf, dem historischen Beispiel des Boykott gegen die Kulturinstitutionen des südafrikanischen Apartheidregimes zu folgen und gegen die Verbrechen und Gräueltaten Israels aufzustehen.

Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, uns beim Boykott der israelischen Filmfestivals, Kulturveranstaltungen und der von der israelischen Regierung finanzierten Kulturinstitutionen zu unterstützen. In diesem Sinne sollte jegliche Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen, die es ablehnen, das Besatzungsregime und damit die Wurzel dieses Kolonialkonfliktes zu verurteilen, eingestellt werden.

Wir rufen Sie auf, ihren Standpunkt öffentlich zu vertreten, damit auch die Menschen in Israel aus ihrer Apathie aufgerüttelt werden, damit sie ihr Schweigen brechen und sich endlich der Verantwortung bewußt werden, die sie angesichts der Politik der Morde und der Zerstörung, die ihre gewählte Regierung vorantreibt, tragen.

Den LibanesInnen und PalästinenserInnen, die dem Terror der Kampfflugzeuge, Bomben und Raketen ausgesetzt sind, erscheint dieses Schweigen, diese Gleichgültigkeit und der Mangel an Protest von Seiten der Israelis als stillschweigende Zustimmung zu den anhaltenden Kriegsverbrechen; Darüber hinaus sind jene israelischen KünstlerInnen, AkademikerInnen und Intellektuelle, die weiterhin in der israelischen Armee dienen, direkt in diese Verbrechen verwickelt.

Wir rufen Sie auf, statt Worten, die schnell gesagt, aber auch schnell vergessen werden, endlich Taten zu setzen. Wir rufen Sie auf, ihre Stimme zu erheben und für ein Ende dieses Blutvergießens und ein Ende dieser Unterdrückung einzutreten, die schon viel zu lange dauern.

Um diesen Aufruf für einen Kulturboykott zu unterzeichnen, oder uns eine Antwort darauf zukommen zu lassen, senden Sie bitte eine E-mail mit Ihrem Namen, ihrem Beruf und ihrem Herkunftsland an pal.filmmakers@gmail.com

ErstunterzeichnerInnen (in alfabetischer Reihenfolge)

1. Adila Laidi, Lecturer
2. Anan Brakat, Filmmaker, Arab Cinema School
3. Annemarie Jacir, Filmmaker
4. Azza El-Hassan, Filmmaker
5. Bahia Munem, Filmmaker
6. Dahna Abourahme, Filmmaker
7. Dima Abu Ghoush, Filmmaker
8. Emily Jacir, Artist
9. Enas Muthaffar, Filmmaker
10. Faten Farhat, Khalil Sakakini Cultural Center
11. Ghada Terawi, Filmmaker
12. Hanna Atallah, Filmmaker
13. Hanna Elias, Filmmaker
14. Hany Abu-Assad, Filmmaker
15. Haya Al-Jareedy, Filmmaker
16. Hayan Charara, Writer
17. Hazim Bitar, Filmmaker
18. Iman Aoun, Ishtar Theatre
19. Iman Hammouri, Popular Art Centre
20. John Halaka, Artist
21. Juliano Mer Khamis, Actor & Director
22. Kais Al-Zubaidi, Filmmaker
23. Kamal Boullata, Artist
24. Karma Abu-Sharif, Writer
25. Khadijeh.H.Abu-Ali, Filmmaker
26. Khaled Jubran, Musician
27. Larissa Sansour, Artist
28. Leila Sansour, Filmmaker
29. Liana Saleh, Filmmaker
30. Lina Bokhary, Artist
31. Mahmoud Massad, Filmmaker
32. Mai Masri, Filmmaker
33. Mazen Saade, Filmmaker & Writer
34. Michel Khleifi, Filmmaker
35. Miguel Littin, Filmmaker
36. Nabila Irshaid, Artist
37. Nahed Awwad, Filmmaker
38. Najwa Najjar, Filmmaker
39. Nizar Hassan, Filmmaker
40. Omar Barghouti, Dance choreographer
41. Omar Qattan, Filmmaker
42. Osama Al-Zain, Filmmaker
43. Rana Bishara, Artist
44. Rania Elias- Khoury, Yabous Productions
45. Rashid Masharawi, Filmmaker
46. Reem Fadda, Palestinian Association of
Contemporary Art
47. Riyad Deis, Filmmaker
48. Rowan Al Faqih, Filmmaker
49. Saed Andoni, Filmmaker
50. Saleh Bakri, Actor
51. Salim Abu Jabal, Writer
52. Salwa Mikdadi, Curator
53. Samia A. Halaby, Artist
54. Sobhi al-Zobaidi, Filmmaker
55. Suleiman Mansour, Artist
56. Suzy Salamy, Filmmaker
57. Taghreed Mishael, Filmmaker
58. Ula Tabari, Filmmaker
59. Vera Tamari, Artist
60. Wafa Jamil, Filmmaker




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