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German.StopTheWall.org Materialien für AktivistInnen
Aktuellen Anlass dazu lieferte Research Connex eine Tochterfirma des französischen Veolia-Konzern. Eine niederländische Bank, die eigentlich stark in ethischen Prinzipien verwurzelt ist und es bislang strikt ablehnte, mit Firmen zusammenzuarbeiten, welche das Apartheidregime in Südafrika unterstützten, hat kürzlich bei Veolia investiert. Diese Investitionen betreffen einen speziellen Umweltfond für Veolias Umwelt-, Wasser und Transportsektor. Doch die Konsequenzen, welche die Projekte Veolias auf die Umwelt in Palästina tatsächlich haben, wurden bei der Investitionsentscheidung dieser niederländischen Bank völlig außer Acht gelassen, ebenso wie die Konsequenzen, welche Handelsbeziehungen mit einem Staat nach sich ziehen, welcher immer wieder aufs Neue die Menschenrechte der PalästinenserInnen und das humanitäre Völkerrecht mit Füßen tritt. Ich dachte also, es wäre an der Zeit, mit dieser Bank in Kontakt zu treten, um sie an ihr Engagement gegen die südafrikanische Apartheid zu erinnern und sie davon zu überzeugen, sich ebenso klar gegen die israelische Apartheid zu stellen. Die Erfahrungen der Anti-Apartheidkampagne für Südafrika zeigen, dass Boykotte, Investitionsstopp und Sanktionen (BDS) exzellente Werkzeuge sind, um öffentlich auf das Unrecht aufmerksam zu machen. Gleichzeitig müssen sie aber Hand in Hand mit den Massenbewegungen der unmittelbar betroffenen Bevölkerung organisiert werden, um tatsächlich erfolgreich sein zu können, das heißt in unserem Fall mit den Massenbewegungen in Palästina. Die Kampagnen zur internationalen Isolierung des südafrikanischen Apartheidregimes Von dem Moment an, als der Niederländer Jan van Riebeek im 17. Jahrhundert einen Handelsstützpunkt in Südafrika errichtete, fühlten sich die niederländische Regierung und auch die Bevölkerung mit den weißen Südafrikanern (Buren) aufs Engste verbunden. Die Buren setzten sich überwiegend aus den Nachkommen niederländischer und französischer Kolonialherren zusammen, die sich im 17. Jahrhundert in Südafrika festgesetzt und sich von der britischen Kolonialverwaltung getrennt hatten. Auch religiöse Gründe nährten die starke Verbundenheit der niederländischen Bevölkerung mit den weißen Südafrikanern, da auch sie der niederländisch reformierten Kirche angehörten. Während der Wirtschaftskrise nach dem 2. Weltkrieg, wanderten viele Niederländer nach Südafrika aus. Aufgrund der engen wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen zwischen den Niederlanden und Südafrika hatte die niederländische Anti-Apartheidkampagne starke Argumente auf ihrer Seite, um auf das Apartheidregime Druck ausüben zu können. Die kritische Auseinandersetzung mit der Apartheid wurde in weiten Bevölkerungskreisen zu einem aktuellen Thema. Kampagnen sollen Menschen bewegen, sie berühren und ihnen die Möglichkeit eröffnen, selbst aktiv zu werden. Jede Aktionsplattform, die während der Anti-Apartheidkampagne in Südafrika organisiert wurde, beinhaltete Forderungen an die Regierungen und die politischen Parteien, die sie auf der internationalen Ebene geltend machen sollten. Wir thematisierten den Verkauf südafrikanischen Obstes in niederländischen Supermärkten, die Extraprofite, die niederländische Firmen der südafrikanischen Apartheidpolitik zu verdanken hatten, indem sie von den Ausbeuterlöhnen profitierten; wir thematisierten die direkte und indirekte Unterstützung von KünstlerInnen, AkademikerInnen, SportlerInnen und VerbraucherInnen für das Apartheidregime. AktivistInnen, die sich für Boykott, Investitionsstopp und Sanktionen (BDS) einsetzten, waren innerhalb der Anti-Apartheidbewegung in Europa jahrzehntelang aktiv. Ihre Forderungen umfassten: - ein Waffenembargo gegen Südafrika; - die Unterbrechung aller kulturellen, akademischen und sportlichen Kontakte mit Südafrika (internationale Veranstaltungen mit eingeschlossen); - den Boykott des südafrikanischen Tourismus; - die Streichung jeglicher Regierungszuschüsse für Exporte nach Südafrika; - den Stopp des Verkaufes von südafrikanischem Obst, sowie der anderer Produkte aus Südafrika, wie etwa der „Kruger Rand“-Münzen; - Visabeschränkungen für SüdafrikanerInnen, die die Niederlande und Europa besuchen wollen. Ein entscheidender Faktor in der Anti-Apartheidkampagne war die enge Koordination mit dem African National Congress (ANC; südafrikanische Befreiungsbewegung; historischer Vorsitzender: Nelson Mandela) und unzähligen Gruppen und Bewegungen an der südafrikanischen Basis, die gegen die Apartheid kämpften. Wir luden SüdafrikanerInnen ein, persönlich über ihr Leben unter den erbärmlichen Umständen, die ihnen das Apartheidregime aufzwang, zu berichten. Das hatte auf die europäischen ZuhörerInnen sehr starke Auswirkungen. Außerdem boten diese Initiativen den im europäischen Exil lebenden Südafrikanern ein Forum und damit die Möglichkeit, selbst eine aktive Rolle in der Unterstützung der Kampagnen für Boykott, Investitionsstopp und Sanktionen im Norden zu spielen. Auch der ANC unterstützte die Anti-Apartheidbewegung auf seine Weise. Anfänglich gab es in der niederländischen Bevölkerung Bedenken gegen den Boykott und die Forderung nach Sanktionen. Man befürchtete, die dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Einbrüche könnten die Leiden der schwarzen SüdafrikanerInnen noch weiter verschlimmern. Argumente dieser Art kamen jedoch in erster Linie aus der Ecke liberaler weißer SüdafrikanerInnen, die jeder Konfrontation aus dem Weg gehen wollten. Es war letzlich nichts anderes als eine einfache Entschuldigung dafür, der Apartheid weiter untätig zuzusehen. Im Gegensatz zu diesen Intellektuellen hatte der Afrikanische Nationalkongress (ANC) als zentrale Organisation der südafrikanischen Befreiungsbewegung eine echte Legitimation, für die unterdrückte schwarze Bevölkerung zu sprechen. Der ANC unterstützte öffentlich und ausdrücklich die internationale Boykott- und Sanktionskampagne. Eine andere Form, in der er sich einbrachte, waren die ausdrücklichen Aufforderungen an ausländische Unternehmen, ihre Firmensitze aus dem Apartheidstaat abzuziehen und ihre wirtschaftlichen Kontakte einzustellen. Kamen sie dem nicht nach, so organisierte der ANC Demonstrationen vor ihren südafrikanischen Niederlassungen und auf öffentlichen Plätzen. Um der internationalen Anti-Apartheidbewegung größere Schlagkraft zu verleihen, verknüpften europäische und amerikanische Organisationen ihre Initiativen. So konnte etwa durch die zeitgleiche Konzentration auf ähnliche Schwerpunkte in der Sensibilisierungsarbeit eine wesentlich größere Öffentlichkeit erreicht werden. Charakteristika der Kampagnenarbeit im Rahmen der Anti-Apartheidbewegung Die Erfahrungen aus der Kampagnenarbeit in den Niederlanden einmal überdacht, gelangen wir zu folgenden wichtigen Erkenntnissen: Bewusstseinsarbeit und Sensibilisierung der Öffentlichkeit Die Informationsarbeit ist ein zentraler Bestandteil jeder Kampagnenarbeit. Ihr Gelingen ist Voraussetzung für die Durchführbarkeit weitergehender Aktionen, besonders wenn darin die Bevölkerung selbst aktiv werden soll. Nachforschungen anstellen Bevor die Ziele einer Protestkampagne festgelegt werden, ist es wichtig, die „Schwachpunkte“ der Gegnerseite ausfindig zu machen. Im Fall Südafrika fanden wir durch eingehende Nachforschungen heraus, dass die Wirtschaft des Apartheidregimes zu einem hohen Grad von Erdölimporten abhängig war. Weitere Untersuchungen in den Niederlanden ergaben, dass mit Shell eine der wichtigsten britisch-niederländischen Ölfirmen sehr stark in Südafrika präsent war. Das Hauptquartier des Erölkonzerns befand sich vor Ort in den Niederlanden. Es waren niederländische Öltanker, die das Erdöl an das Apartheidregime in Südafrika lieferten. Gleichzeitig gab es in den Niederlanden Shell-Tankstellen an jeder Ecke. Diese Situation schuf für die AktivistInnen, die sich für Boykott, Investitionsstopp und Sanktionen (BDS) einsetzen, eine Vielzahl von Möglichkeiten ihre Protestkampagnen in konkrete Initiativen umzusetzen. Eine klare Kernaussage Jede Öffentlichkeitskampagne muß eine klare Botschaft an die Bevölkerung vermitteln können. Die aufgestellten Forderungen und Zielsetzungen sollten klar formuliert und nicht unrealistisch sein. Da es bei Kampagnen darum geht, sowohl die Herzen als auch den Verstand der Menschen anzusprechen, muss die ihr zugrunde liegende Botschaft in der Lage sein, Menschen aufzurütteln. Im Rahmen der Shell-Kampagne hatten wir beispielsweise die Forderung nach dem Abzug Shells aus Südafrika aufgestellt. Unser BDS-Slogan dazu war „Shell fuels apartheid terror“ [Shell tankt das Terrorregime der Apartheid auf]. Auf Plakaten und Handzetteln druckten wir dazu das bekannte Shell-Logo, aus dem Blut tropfte. Durch einfache Symbolik wurde so die ganze Geschichte vermittelt. Genaue Vorbereitung Für BDS-AktivistInnen ist es sehr wichtig, sich für die Vorbereitung einer bestimmten Öffentlichkeitskampagne ausreichen Zeit zu nehmen und sich auf die Suche nach Partnern und Verbündeten zu machen. Das können Kirchen, Gewerkschaften, soziale Bewegungen, einflussreiche Persönlichkeiten, KünstlerInnen, SportlerInnen, PolitikerInnen usw. sein. Als besonders wirksam erwies sich bei den Anti-Apartheidkampagnen die internationale Zusammenarbeit. Im Fall von Shell arbeiteten wir eng mit den englischen AktivistInnen zusammen, in der Frage der Erdöllieferungen wiederum mit Skandinavien, da auch skandinavische Schiffsreeder involviert waren. Die Boykott- und Sanktionsgruppen in verschiedenen Ländern koordinierten sich außerdem, um durch ihre Initiativen zur gleichen Zeit ganz bestimmte Themen auf den Plan zu bringen, wodurch eine größere Öffentlichkeit erreicht werden konnte. Kampagnenarbeit ist Aufbauarbeit Kampagnenarbeit heißt: sorgfältig planen, Geduld und gleichzeitig kein Angst vor harter Arbeit zu haben. Nur selten stellen sich die Erfolge schnell und ohne großen Aufwand ein. In günstigen Fällen kann es da natürlich Ausnahmen geben: so dauerte es nur ein halbes Jahr, um den Verkauf der Kruger-Rand-Münzen in den Niederlanden völlig zum Erliegen zu bringen. Die Banken fürchteten um ihr Image und hatten außerdem auch recht wenig durch den Verkauf des Kruger Rand verdient. Schon während erster Verhandlungen war es folglich für die AktivistInnenen recht leicht, die Banken in Anwesenheit von GewerkschafterInnen zum Verkaufsstopp zu zwingen. Eine Öffentlichkeitskampagne muß Schritt für Schritt aufgebaut werden: Das beginnt mit dem Organisieren von Veranstaltungen jeglicher Art und Informations- und Medienarbeit bis schließlich Aktionen möglich sind, die große Teile der Bevölkerung einbinden, wie Demonstrationen, Unterschriftsammlungen, Solidaritätskonzerte und Kundgebungen. Geduld Eines der wichtigsten Elemente in der Kampagnenarbeit ist die Geduld. Auch über Jahrzehnte laufende Öffentlichkeitskampagnen waren nicht der entscheidende Faktor für einen Wandel in Südafrika. Sie waren sehr wohl in der Lage, Druck auf die Regierungen auszuüben und den unterdrückten Menschen in Südafrika Hoffnung zu geben. Doch das Ende der Apartheid kam nur, weil der Afrikanische Nationalkongress (ANC) nicht aufgab und es verstand, die Unterstützung der internationalen Solidaritätsbewegung effektiv zu nutzen. Die Boykottkampagne für Palästina: Der Fall Connex/Veolia Palästinensische NGOs rufen zum weltweiten Boykott gegen Connex auf und legen ihre Gründe dafür sehr klar dar, denn Connex spielt eine entscheidende Rolle in einem Nahverkehrsprojekt in Jerusalem, dass damit auch die besetzen Gebiete betrifft. Solidaritätsgruppen in der Schweiz und Frankreich wurden aktiv, um die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass Connex mit diesem Megaprojekt an der Seite der Besatzungsmacht das Völkerrecht bricht. Siehe detailliertes Infoblatt von Stopthewall zum CONNEX-Boykott Connex ist eine Tochterfirma des französischen Veolia-Konzerns und dies ließ auch uns in den Niederlanden hellhörig werden. In Holland gibt es eine Bank, die vormals in den 80ern die Anti-Apartheidbewegung und das Holland Committee on Southern Africa aktiv unterstütze. Sie brachte die Nelson Mandela-Münze heraus, die als Alternative zum boyottierten Kruger Rand propagiert wurde. Heute investiert diese Bank bei Veolia. Die Dutch Bank wirbt mit ihren hohen Standards sozialer Verantwortung als Unternehmen. Sie lehnt es etwa ab in die Rüstungsproduktion und umweltschädigende Industrien zu investieren. Veolia und die niederländische Bank -zweigleisiger Initiativenstart Als ersten Schritt schrieb ich sowohl an Veolia als auch die niederländische Bank, um sie über die Konsequenzen ihrer Mitwirkung am Schnellbahnprojekt [im besetzten Jerusalem] als auch an einem Projekt zur Wasserentsalzung und -aufbereitung am Ashkelonsee aufzuklären. Die geplante Schnellbahn wird auf besetztem palästinensischem Territorium errichtet. Doch gemäß internationalem Recht darf eine Besatzungsmacht weder besetztes Land annektieren, noch dessen Infrastruktur nachhaltig verändern. Auch der Internationale Gerichtshof bestätigte in seinem Gutachten vom Juli 2004, dass Israel auch in Jerusalem als Besatzungsmacht anzusehen ist, und weiters, dass sowohl die Errichtung der Mauer als auch die jüdischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten illegal sind. Während Israel also durch den Bau der Schnellbahn auf besetztem palästinensischem Gebiet das Völkerrecht verletzt, wird Veolia durch die Mitwirkung an deren Betrieb ab 2009 zum Mittäter. Meine Ersparnisse bei der Dutch Bank werden, wie die so vieler anderer, bei Veolia investiert und finanzieren damit einen Rechtsbruch. Auf meinen Brief hin antwortete die niederländische Bank, sie wolle weitere Nachforschungen veranlassen, um herauszufinden, ob Investitionen bei Veolia mit ihren politischen Richtlinien vereinbar seien. Sie führten ins Treffen, dass Israel sich nicht auf der Sanktionsliste der EU oder der UNO befinde, auf der Länder mit repressiven Regimes bzw. einer Geschichte systematischer Menschenrechtsverletzungen verzeichnet seien. Demgegenüber ist jedoch festzuhalten, dass in den Gutachten der UN- Menschenrechtskommission schon seit geraumer Zeit bestätigt wird, dass Israels Politik sehr wohl die systematische Verletzung der Menschenrechte der PalästinenserInnen zur Folge hat. Die Bank versicherte in ihrem Schreiben, sie werde ihren Grundsätzen treu bleiben und die Menschenrechte weiterhin hoch halten. Meinem Antwortschreiben legte ich daher weitere Informationen über die hinlänglich dokumentierten Verletzungen des Völkerrechts und des humanitären Rechts von Seiten Israels bei. Sofort nach Versand der Informationen über die Mittäterschaft Veolias bei israelischen Völkerrechtsverletzungen und der daraus resultierenden Mitverantwortung der Dutch Bank, zog ich meine Ersparnisse aus dem betreffenden Investmentfond ab. Ich teilte der Bank mit, dass ich mir innerhalb eines angemessenen Zeitraumes eine Entscheidung ihrerseits erwarteten würde und wissen wollte, ob sie ihre Investitionen bei Veolia rückgängig machen würden. Ich stellte klar, dass ich andernfalls all meine Ersparnisse bei der Bank auflösen würde. Ich bat ebenso um ein Treffen mit den Verantwortlichen der Bank, um ihnen weitere Informationen zukommen zu lassen und Handlungsszenarios zu entwerfen. Veolias Antwort In seinem Schreiben vom 22. Mai 2006 antwortete der Geschäftsführer von Veolia Transport auf meinen Protestbrief hin, „Die Hauptinteressen von Connex [Veolias Transportsparte] liegen darin, in Zukunft als Betreiber der Schnellbahn tätig zu sein. Dieser wird nicht vor 2009 aufgenommen werden. ... Aus dem Projektentwurf ergibt sich keinerlei Diskriminierung für die lokal ansässigen Bevölkerungsgruppen. ... Sie wird den öffentlichen Nahverkehr für alle Anwohner in Jerusalem und Umgebung verbessern. Wir stellen außerdem zu unserer Zufriedenheit fest, dass das Verfahren zur Bereitstellung der für die Schnellbahn benötigten Grundstücke durch die lokalen Behörden durchgeführt wurde, ohne Elemente von Diskriminierung oder Ungleichbehandlung aufzuweisen.“ Doch schon im Januar 2006 hatte die palästinensische Autonomiebehörde (PNA) gegenüber Connex klar gemacht, dass sie den Bau des Schnellbahnprojekts ablehne. Connex entgegnete diesbezüglich: „Seit diesem Zeitpunkt hat Connex eine Untersuchung eingeleitet, die auf Folgendes abzielt: Unabhängige Rechtsmeinungen zum Thema werden eingeholt, um unser Verständnis der speziellen Situation hinsichtlich des Völkerrechts zu verbessern. Diskussionen mit NGOs und Regierungsorganisationen (sowohl in Frankreich als auch auf internationaler Ebene) werden geführt, um eine größtmögliche Anzahl unparteiischer Stellungnahmen einzuholen. Für und Wieder sollen abgewogen und die verschiedenen Standpunkte miteinander verknüpfen werden. Daraus sollen schließlich klare Leitlinien für den konkreten Fall entwickelt werden.“ Die Wassersparte Veolias Eine Möglichkeit, um den Druck auf Veolia zu vergrößern, wäre, auch die Tätigkeit von Veolia Water, der Wassersparte des Konzerns, in Israel mit einzubeziehen. Der Konzern ist an einem Projekt beteiligt, das die Wasserqualität des Ashkelon Sees im Süden von Tel Aviv verbessern soll. Der See ist von zunehmender Versalzung betroffen. Anhand von diesem Projekt könnte eine Verbindung zu den bekannten Praktiken Israels hergestellt werden, Unmengen an Wasser für seine industrialisierte Landwirtschaftsproduktion einzusetzen, das Israel in den besetzen Gebieten bei den PalästinenserInnen stiehlt. Diese Praxis ist natürlich illegal und führt außerdem geradewegs in ein ökologisches Desaster. Dem Veolia-Konzern ist daher vorzuwerfen, dass er Israel dabei unterstützt, die Konsequenzen dieser Rechtsverletzung abzufedern und gleichzeitig untätig dabei zusieht, wie der Wasserraub an den PalästinenserInnen fortgesetzt wird. Israel verletzt zahlreiche Bestimmungen des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechtscharta, unzählige Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und das Gutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag, mit dem dieser auch die Apartheidmauer für illegal befunden hat, indem es die Wasservorkommen in den besetzen palästinensischen Gebieten ausbeutet, was eine eindeutig illegale Praxis darstellt. Die wertvollen Wasservorräte werden verschwendet und so umgeleitet, dass sie ausschließlich den jüdischen Siedlungen auf besetztem palästinensischen Land und den israelischer BürgerInnen zur Verfügung stehen. Indem Veolia Water an diesen illegalen, weil völkerrechtswidrigen, Praktiken teilnimmt, wird es zum Mittäter. Internationale Vernetzung Die Kampagnen für Boykott, Investitionsstopp und Sanktionen (BDS) sind umso wirkungsvoller, je stärker über die Zusammenarbeit innerhalb eines Landes hinaus auch die Vernetzung auf internationaler Ebene ausgebaut wird. Zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmte Kampagnen zu gleichen oder ähnlichen Themen senden ein klares Signal an Firmen, die Profite aus der israelischen Besatzungspolitik schlagen und darüber hinaus auch an die israelische Regierung. Außerdem werden westliche Regierungen daran erinnert, dass Israel die brutale Misshandlung der PalästinenserInnen und die andauernde Verletzung des Völkerrechts nicht auf Dauer straflos fortsetzen darf und endlich zur Rechenschaft gezogen werden muss. Die Initiative für internationale Treffen zur Planung von Boykott- und Sanktionskampagnen kann von westlichen und palästinensischen NGOs gemeinsam etwa in Zusammenarbeit mit den Kirchen und der UN-Abteilung für die Rechte der PalästinenserInnen (United Nations Division for Palestinian Rights) ausgehen. Erfreulicherweise ist heute der Austausch von Informationen im Gegensatz zu den 80ern durch das Internet relativ einfach geworden. Es ist wichtig sich dessen bewusst zu werden, dass zur Entwicklung erfolgreicher Kampagnen im Norden gerade in den Kreisen der Solidaritätsbewegung sowohl die nötige Erfahrung, als auch das Potential vorhanden ist, um sie in die Tat umzusetzen. Gerade auf die Solidaritätsbewegung kommt es daher an! Zusammenarbeit mit PalästinenserInnen Den PalästinenserInnen in der Diaspora kommt innerhalb der Boykott- und Sanktionskampagnen im Norden eine wichtige Rolle zu. Daher sollten sie ausdrücklich dazu eingeladen werden, an Initiativen teilzunehmen und sich einzubringen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die aktuelle Verfügbarkeit von Informationen aus Palästina, die sowohl durch die PalästinenserInnen selbst, als auch durch Israelis, die sich für den Frieden einsetzen, sichergestellt werden kann. Wichtig sind dabei Informationen über Menschenrechtsverletzungen, über Firmen, die aktiv die Besatzungspolitik unterstützen, aber auch darüber, welche PolitikerInnen, FirmenvertreterInnen und andere Personen Israel in offizieller Mission besuchen. Als eine besonders günstig gewählt erwies sich etwa die Initiative, das Konzert von Roger Waters (Pink Floyd) in Israel zu verhindern. Siehe Protestschreiben und das erfreuliche Ergebnis. Diese Initiative hatte sich als eine exzellente Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Solidaritätsgruppen und einzelnen Persönlichkeiten in Großbritannien erwiesen. Ähnlich Erfolg versprechend scheint die Kampagne zum Ausschluss Israels aus der internationalen Fußballföderation FIFA. Diese Kampagne kann in vielen Ländern aufgenommen und durch die Initiativen der Solidaritätsbewegung auf die Tagesordnung der FIFA gebracht werden. Siehe Aktion dazu von Schweizer AktivistInnen. Außerdem sollte die Wirkung von Fotos, Filmmaterial und Berichten von den Protesten in Palästina nicht unterschätzt werden. PalästinenserInnen und Israelis können sie bei ihren Aktionen sammeln und für die Kampagnenarbeit zur Verfügung stellen. Fotos der gelben Caterpillar und Volvo-Bulldozer, die palästinensische Häuser zerstören, haben als Bildmaterial überaus starken symbolischen Wert. Klare Protestsslogans in englischer, französischer, deutscher und spanischer Sprache müssen entwickelt werden, um die Inhalte der Boykottkampagne schnell und bleibend vermitteln zu können. Zu guter Letzt dürfen wir eines niemals aus den Augen verlieren: Kirchen, Solidaritätsgruppen, Gewerkschaften und Jugendorganisationen im Norden, die mit der Boykott- und Sanktionskampagne Druck auf Israel ausüben wollen, müssen sich Hand in Hand mit der Mobilisierung der PalästinenserInnen in Palästina bewegen. Freiheit und Frieden im Nahen Osten werden nämlich nur durch die Mobilisierung des palästinensischen Volkes erreicht werden können, und nicht von außen. Die Boykott- und Sanktionskampagne in Europa kann dazu jedoch einen wichtigen und energischen Beitrag leisten. (25. Juni 2006) Adri Nieuwhof ist Psychologe und Menschenrechtsaktivist und war im Rahmen des Holland Committee on Southern Africa (KZA) in den 80er Jahren an der Gestaltung mehrerer Boykott- und Sanktionskampagnen gegen das südafrikanische Apartheidreime beteiligt. Neuigkeiten zum CONNEX-Boykott This page originated from /german/cgi-bin/german/activism/printer_147.shtml on the Stop The Wall website at German.StopTheWall.org. Please feel free to print and disseminate this page widely. |
